„ IMAGINE - stelle Dir vor“. Unter diesem Leitwort stand das diesjährige Seminar von Meister Wang im April 2016 beim Tai Chi Verein Taunusstein. Dabei betonte Wang immer wieder, dass der Geist den Körper beherrsche und belegte dies mit praktischen Beispielen von Taiji und Qigong, die jeder Teilnehmer mit ihm fühlen konnte und die in der Gruppe ausprobiert wurden. Auf diese Weise werden aus den einfachen Bewegungen des „qigong fondamentale“ anspruchsvolle Übungen der Vorstellungskraft, welche die Energie zum fließen bringen sollen.

Für das Taiji gelte, dass man sich alle Bewegungen fließend, rund und mit Volumen vorstelle, so Wang unermüdlich, das verbessere die Form und mache es einfacher, eventuelle Fehler zu spüren und zu korrigieren. Immer nur an der technischen Ausführung zu arbeiten, sei nicht empfehlenswert, betonte der Meister immer wieder, denn damit bleibe das Taiji „hölzern und geradlinig“, egal welche Mühe man sich dabei gebe.

Um richtig gutes Taiji zu machen, reiche die Vorstellung von „rund“, „fließend“ und „Volumen“ jedoch nicht aus, man müsse sich auch die möglichen Anwendungen und ihre Varianten vorstellen.

Doch Wang beließ es nicht nur bei der Theorie, vielmehr wurde unermüdlich ausprobiert. Viele der Teilnehmer fanden es denn auch sehr schön, sich bei der Form auf „rund und fließend“ zu konzentrieren.

Doch damit war die Themenvielfalt des Seminars noch lange nicht erschöpft. Meister Wang übte mit der Gruppe auch Tui shou. Dabei komme es nicht darauf an, den Partner zu drücken und zu schubsen, sondern ihn und sich selbst zu fühlen, so der Rat des erfahrenen Meisters. Auch hier seien der Fluss der Energie, runde Bewegung, Volumen und Vorstellung notwendig.

Meister Wang macht mit der Gruppe einleitende  Einzelübungen, dann erst wurde mit einem Partner vertiefend gearbeitet. Erst mit einer Hand, dann beidhändig. Große Freude bereitete den Teilnehmern die „Tanzübung“ mit einer Hand, bei der jeder den Anderen gut spüren und auf ihn reagieren konnte.

Zum Tui shou mit zwei Händen wurde eine Reihe gebildet, so dass man dem Partner gegenüber stand. Wer sich dabei nicht so sicher fühlte, konnte bei den Nachbarn schauen, wie diese es machen. Auf diese Weise erreichte Meister Wang, dass auch diejenigen, die vorher wenig oder keine Ahnung vom Tui shou hatten, so langsam ganz passabel mitmachen konnten.

Fazit: Der Meister aus Shanghai ist nicht nur eine Koryphäe in Taiji und qigong, sondern auch ein sehr guter Pädagoge, einfühlsam, zugewendet, humorvoll und unendlich geduldig.

Die so erfolgreiche Arbeit mit Meister Wang in Taunusstein soll deshalb auch im April 2017 weiter fortgesetzt werden.