Historie

Über die Jahre, die der Tai Chi Verein Taunusstein nun bereits beteht, ist viel geschehen. Kurze Berichte über Veranstaltungen finden Sie in nun folgend.

Im 25. Jahr seines Bestehens ist der Tai Chi Verein Taunusstein vom Turngau Mitteltaunus mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet worden. Sabine Gubo, die Vorsitzende, nahm die Urkunde aus der Hand des Vorsitzenden des Turngaus, Frank Stübing (auf dem Bild links) entgegen. Es gratulierten auch der Vorsitzende des Sportkreises Rheingau-Taunus, Manfred Schmidt, und Landrat Frank Kilian (auf dem Bild rechts). Zudem wurde Sabine Gubo für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand des Tai Chi Vereins mit der silbernen Ehrennadel des Turngaus ausgezeichnet.

Zum zweiten Mal besuchte Meister Li Xiaoqiu den Tai Chi Verein Taunusstein. Seit seinem Seminar im letztem Jahr hatten wir fleißig die 15-teilige Daoyin-Übung zur Lebenspflege im Verein geübt und waren gespannt auf die Anregungen vom Meister. Er zeigte den Kursteilnehmern Feinheiten und erklärte deren Bedeutung. So lernten sie die drei Schätze in der Daoyin-Übung jing – qi – shén kennen, die eins sind aber auch voneinander abhängen, wie bei einer brennenden Kerze Wachs, Flamme und Licht. Wir wissen nun unser „Wachs“ zu bewahren und vielleicht zu erweitern. Das erreiche man nur durch üben, üben, und nochmals üben. Mit Meister Li‘s Hilfe wurden die Bewegungen fließender und das Qi konnte besser fließen.

Um die neue Herzform Shu xin ping xue gong 2 ging es dann am Samstag und Sonntag. Herz-Qigong II ist ein Übungssatz, den Dr. Li Xiaoqiu für die nichtchinesische Welt jetzt in Deutsch neu aufbereitet hat. Die Übungen haben sowohl präventive als auch therapeutische Wirkung gegen die so typischen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, -niederdruck, Herzrhythmusstörungen und Koronarsklerose sowie anderen Beeinträchtigungen der Herz-Kreislaufsystems. Ebenso stärken sie Lunge, Magen-Darm-Trakt und wirken bei Hals,-Schulter- und Beinschmerzen.

Der Meister sprach über die Disharmonie von Ying und Yang. Gemäß der TCM ist das Herz ein „Feuer“-Organ und die Niere ein „Wasser“-Organ. Feuer ist Yang und Wasser ist Ying. Die Kombination von schwachen Nieren-Ying und starken Herz-Yang sei häufig die Ursache für Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Die zweite Übung: Qilin (ein chinesisches Fabeltier) speit Feuer leite zu viel Herz-Yang nach außen. Diese harmonische Bewegungsfolge geht einher mit dem zischenden Laut „KE“. Und so tauchten die Teilnehmer ein in das Gefühl eines kleinen drachenartigen Tieres, dass sein Herz-Feuer nach außen speit und zischten „KE“.

Die neuen Übungen schienen zunächst einfach. Es gab aber viele Feinheiten, auf die man achten sollte. „Die rote Schwalbe kreist um das Nest“ zeigte einigen dann auch ihre körperlichen Grenzen auf. Meister Li Xiaoqiu jedoch nahm uns an die Hand und zeigte die Übung in kleinen Schritten, motivierte uns und so konnte schließlich jeder nach seinen Fähigkeiten die Übung erfolgreich lernen. Diese harmonische Atmosphäre von Geben und Nehmen beflügelte uns bis zum Ende des Seminars und so wollen wir wieder fleißig üben und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Meister Li Xiaoqiu im nächsten Jahr.

       Seminar des Turngau Mitteltaunus im Hessischen Turnverband

       Am Samstag, den 18. Oktober 2014, in der Silberachhalle in Wehen

       Referentin: Heidegard Bayer-Brechtken

       Teilnehmer: Franz Maschek, Sabine Gubo

Prävention und Pflege mit der Dorn-Methode

Die Dorn-Methode ist „Selbst-Massage in aktiver Bewegung“!

Sie ist eine sanfte Methode, um Fehlstellungen von Gelenken oder blockierten Wirbeln zu korrigieren. Sie bietet sich für alle Altersstufen als präventive Möglichkeit an, um Probleme mit Rücken und Gelenken zu vermeiden, um sich selbst zu helfen. Die Übungen kombinieren Bewegung (oder pendelnde Bewegungen) und Massage. Fast alle Übungen können als Selbsthilfe angewendet werden.

Falsche Belastungen und Fehlhaltungen verursachen Verspannungen und Dysbalancen der Muskulatur. Diese lassen sich mit den sanften und einfach auszuführenden Dorn-Übungen lösen.

Die Dorn-Übungen:

Als erster und wichtigster Ansatz gilt es, wenn nötig, die Beinlänge auszugleichen, da sonst die ganze Wirbelsäule, und damit auch der restliche Körper, durch einen Schiefstand des Beckens in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch entsprechende Dorn-Übungen können die ganze Wirbelsäule und das Kreuzbein von Verspannungen befreit und in die richtige Stellung gebracht werden. Es gibt für fast alle Gelenke entsprechende Dorn-Übungen. Diese sollten in den ganz normalen Tageablauf eingebaut werden.

Der Lehrgang war sehr effektiv, da wir als kleine Gruppe (16 Teilnehmer) zu zweit alles unter der Anleitung der sehr kompetenten und versierten Referentin sofort praktisch ausführen und anwenden konnten. In der lockeren Atmosphäre und dem munteren Austausch und gegenseitigem Unterstützen ergaben sich so manche Aha-Erlebnisse, und Staunen über diese einfachen Übungen und ihre sofort sichtbaren und spürbaren Ergebnisse.

So manche Übung gilt es nun auch in unser Tai Chi-Training mit einfließen zu lassen, um unsere Körperwahrnehmung weiter zu verfeinern. Zudem bekommen wir ein Hilfsmittel an die Hand, um wahrgenommene Dysbalancen/Verspannungen mit Hilfe von Dorn-Übungen zu beheben, oder präventiv zu üben.

„ IMAGINE - stelle Dir vor“. Unter diesem Leitwort stand das diesjährige Seminar von Meister Wang im April 2016 beim Tai Chi Verein Taunusstein. Dabei betonte Wang immer wieder, dass der Geist den Körper beherrsche und belegte dies mit praktischen Beispielen von Taiji und Qigong, die jeder Teilnehmer mit ihm fühlen konnte und die in der Gruppe ausprobiert wurden. Auf diese Weise werden aus den einfachen Bewegungen des „qigong fondamentale“ anspruchsvolle Übungen der Vorstellungskraft, welche die Energie zum fließen bringen sollen.

Für das Taiji gelte, dass man sich alle Bewegungen fließend, rund und mit Volumen vorstelle, so Wang unermüdlich, das verbessere die Form und mache es einfacher, eventuelle Fehler zu spüren und zu korrigieren. Immer nur an der technischen Ausführung zu arbeiten, sei nicht empfehlenswert, betonte der Meister immer wieder, denn damit bleibe das Taiji „hölzern und geradlinig“, egal welche Mühe man sich dabei gebe.

Um richtig gutes Taiji zu machen, reiche die Vorstellung von „rund“, „fließend“ und „Volumen“ jedoch nicht aus, man müsse sich auch die möglichen Anwendungen und ihre Varianten vorstellen.

Doch Wang beließ es nicht nur bei der Theorie, vielmehr wurde unermüdlich ausprobiert. Viele der Teilnehmer fanden es denn auch sehr schön, sich bei der Form auf „rund und fließend“ zu konzentrieren.

Doch damit war die Themenvielfalt des Seminars noch lange nicht erschöpft. Meister Wang übte mit der Gruppe auch Tui shou. Dabei komme es nicht darauf an, den Partner zu drücken und zu schubsen, sondern ihn und sich selbst zu fühlen, so der Rat des erfahrenen Meisters. Auch hier seien der Fluss der Energie, runde Bewegung, Volumen und Vorstellung notwendig.

Meister Wang macht mit der Gruppe einleitende  Einzelübungen, dann erst wurde mit einem Partner vertiefend gearbeitet. Erst mit einer Hand, dann beidhändig. Große Freude bereitete den Teilnehmern die „Tanzübung“ mit einer Hand, bei der jeder den Anderen gut spüren und auf ihn reagieren konnte.

Zum Tui shou mit zwei Händen wurde eine Reihe gebildet, so dass man dem Partner gegenüber stand. Wer sich dabei nicht so sicher fühlte, konnte bei den Nachbarn schauen, wie diese es machen. Auf diese Weise erreichte Meister Wang, dass auch diejenigen, die vorher wenig oder keine Ahnung vom Tui shou hatten, so langsam ganz passabel mitmachen konnten.

Fazit: Der Meister aus Shanghai ist nicht nur eine Koryphäe in Taiji und qigong, sondern auch ein sehr guter Pädagoge, einfühlsam, zugewendet, humorvoll und unendlich geduldig.

Die so erfolgreiche Arbeit mit Meister Wang in Taunusstein soll deshalb auch im April 2017 weiter fortgesetzt werden.

Auch Mitglieder des Tai Chi Vereins Taunusstein nahmen an Seminar der International Wang Academy (IWA) mit Meister Wang Zhi Xiang in Folgaria in Norditalien teil. Sabine Gubo, Gerda DeMucci und Ulrich Hückel gehörten vom 26. bis 31. August 2014 zu einem großen Kreis von Teilnehmern aus unterschiedlichen Ländern.

Am ersten Tag standen Übungen zur Lockerung und Schwerkraft auf dem Programm. Speziell ging es darum, wie dabei die Wirbelsäule und die Füße eingesetzt werden. Es folgten Klopfübungen für die Gesundheit und den Fluss der Energie.
Am Nachmittag erläuterte Meister Wang die fünf Dinge, die für die Gesundheit unbedingt erforderlich sind: richtig atmen, richtig schlafen, richtig essen, Verdauung, Stuhlgang, richtig fühlen.
Anschließend wurde tui shou geübt. Für Meister Wang ist tui shou vor allem eine Übung der Harmonie, sowohl der Bewegungen der einzelnen Personen als auch ihrer gemeinsamen Bewegung.  
Am zweiten Tag begann man mit Vorübungen zur Lockerung. Es folgte das drehende Abklopfen, ebenfalls mit neuen Informationen angereichert. Danach Qi Gong, Basisübungen wie den Rücken strecken, Langes Leben, ban lan shui. Meister Wang erläuterte, welche Stellungen dabei warum wichtig sind. Viel Zeit verwendete er auf das Thema Punkt-Linie-Fläche-Volumen. Sehr wichtig waren die Übung zhang zhuang, „Stehen wie ein Baum“. Hier kommt es nicht darauf an, möglichst lange mit immer mehr schmerzenden Gliedern zu stehen, sondern mit der Vorstellungskraft Linien zum baihui und zur Erde aufzubauen, und in den Gelenken, z.B. Armbeuge, Bälle zu spüren. Auf die Form angewendet, bewegt man nicht mehr die Gelenke, sondern macht den jeweiligen Ball größer oder kleiner.
Zum Abschluss zeigte Wang den 1. Teil der 1. Form, der Basisform. Zum Vergleich dann den jeweils ersten Teil der zweiten, der kampfbetonten Form, der natürlichen Form mit weitgreifenden Bewegungen,  des in Shanghai weit verbreiteten Wu-Stils  und des kleinen Wu-Stils mit noch kleineren Bewegungen und noch mehr Qualität.
Abends hielt Meister Wang einen Vortrag über Einsteins Formel e=mc2 im Taiji. e sei die Energie, m die Qualität und c das Licht, unser Geist.
Daniela Jurisic sprach über das Thema „Integrierte Medizin - in der Übersetzung verlorengegangen“, wie medizinische Erkenntnisse anderer Kulturen übersetzt, geprüft und in der Behandlung Kranker genutzt werden können.  
Am dritten Tag erläuterte Wang die 8 Kräfte: bong, lü, ji, an, cai, lie, zhou, kao (die ersten 8 der 20 Worte des Taiji), anschließend wurde wieder tui shou geübt.
Am vierten Tag begann der Unterricht im Freien mit Lockerungsübungen, dann ging es mit der Form weiter. Die wichtigsten Figuren des erstens Teils sind das Kniestreifen und ban lan shui (Zirkelschritt). Für den zweiten Teil sind die Kicks wesentlich, für den dritten die Diagonalen. Vor der Pause wurde noch im Stehen meditiert. Die Meditation dient zum Kennenlernen des Körpers und verbessert das Körpergefühl.
Bei der Übung des dritten Teils wurden die wesentlichen Figuren erläutert und paarweise geübt. Besonderen Anklang fand die Doppelhand-Partnerübung, bei der man abwechselnd mit der linken oder rechten Hand schlägt und abwehrt. Wenn man es kann, ist es sehr harmonisch.
Nachmittags dann die Prüfungen. Die Prüflinge mussten eine oder zwei der Grundlagenübungen ausführen, eine, manchmal auch zwei Positionen der Form einnehmen, ein Stück der Form (aus 1., 2., 3. Teil) vorführen, dann mit Meister Wang tui shou machen und zum Schluss zwei Angriffe von Meister Wang mit einer vorgegebenen Anwendung abwehren. Diese Prüfungen zeigten, worauf Meister Wang Wert legt: nicht so sehr auf die präzise Ausführung, sondern auf eine flüssige und harmonische Darstellung. Weiter verdeutlichte die Prüfung, dass die Form für Wang als nur ein von vier Prüfungsthemen nicht die überragende Wichtigkeit hat, die wir ihr bisher beimessen.
Am fünften Tag ging es um Feinheiten wie die Stellung der Füße zueinander, Konzentration auf Yongquan (Niere 1), Ferse nicht belasten, wie und wieweit hebt man die Ferse und welches Gefühl man dabei hat.
Am letzten Tag begann der Unterricht mit dem Thema Selbstmassage und Meridian-Qi Gong. Dann sprach Meister Wang über Prinzipien. Je nach Meister seien es mehr oder weniger. Besser seien wenige Prinzipien, die verinnerlicht und qualitätsvoll ausgeführt werden sollten.


Fazit: Die ersten vier Tage vertieften viel Bekanntes und zeigten Neues auf. Die letzten beiden Tage brachten eine andere Ebene von Qualität. So übte man am ersten Tag Punkt-Linie-Fläche-Volumen, am Tag darauf machte man optisch das Gleiche, jedoch mit den 4 Punkten und dem Fließen der Energie vom Mittelfinger zur Hüfte und zurück. Dadurch kommt eine Überkreuzung zustande, die von außen nicht sichtbar ist. Doch wichtig ist die Anwendung. Tai Chi ist ja nicht nur ein Bewegungsablauf, sondern hat ein Ziel, dies wird Anwendung genannt. Ziele können die Neutralisierung des Gegners oder das Ab- und Umlenken der Kräfte des Partners sein.  Dazu kommt die Bedeutung von tui shou. An fünf Tagen wurde jeweils mindestens eine Stunde tui shou geübt, und schließlich zeigte sich, wie die Grundlagenübungen in jede Bewegung der Form einfließen.