Historie

Über die Jahre, die der Tai Chi Verein Taunusstein nun bereits beteht, ist viel geschehen. Kurze Berichte über Veranstaltungen finden Sie in nun folgend.

Zum zweiten Mal besuchte Meister Li Xiaoqiu den Tai Chi Verein Taunusstein. Seit seinem Seminar im letztem Jahr hatten wir fleißig die 15-teilige Daoyin-Übung zur Lebenspflege im Verein geübt und waren gespannt auf die Anregungen vom Meister. Er zeigte den Kursteilnehmern Feinheiten und erklärte deren Bedeutung. So lernten sie die drei Schätze in der Daoyin-Übung jing – qi – shén kennen, die eins sind aber auch voneinander abhängen, wie bei einer brennenden Kerze Wachs, Flamme und Licht. Wir wissen nun unser „Wachs“ zu bewahren und vielleicht zu erweitern. Das erreiche man nur durch üben, üben, und nochmals üben. Mit Meister Li‘s Hilfe wurden die Bewegungen fließender und das Qi konnte besser fließen.

Um die neue Herzform Shu xin ping xue gong 2 ging es dann am Samstag und Sonntag. Herz-Qigong II ist ein Übungssatz, den Dr. Li Xiaoqiu für die nichtchinesische Welt jetzt in Deutsch neu aufbereitet hat. Die Übungen haben sowohl präventive als auch therapeutische Wirkung gegen die so typischen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, -niederdruck, Herzrhythmusstörungen und Koronarsklerose sowie anderen Beeinträchtigungen der Herz-Kreislaufsystems. Ebenso stärken sie Lunge, Magen-Darm-Trakt und wirken bei Hals,-Schulter- und Beinschmerzen.

Der Meister sprach über die Disharmonie von Ying und Yang. Gemäß der TCM ist das Herz ein „Feuer“-Organ und die Niere ein „Wasser“-Organ. Feuer ist Yang und Wasser ist Ying. Die Kombination von schwachen Nieren-Ying und starken Herz-Yang sei häufig die Ursache für Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Die zweite Übung: Qilin (ein chinesisches Fabeltier) speit Feuer leite zu viel Herz-Yang nach außen. Diese harmonische Bewegungsfolge geht einher mit dem zischenden Laut „KE“. Und so tauchten die Teilnehmer ein in das Gefühl eines kleinen drachenartigen Tieres, dass sein Herz-Feuer nach außen speit und zischten „KE“.

Die neuen Übungen schienen zunächst einfach. Es gab aber viele Feinheiten, auf die man achten sollte. „Die rote Schwalbe kreist um das Nest“ zeigte einigen dann auch ihre körperlichen Grenzen auf. Meister Li Xiaoqiu jedoch nahm uns an die Hand und zeigte die Übung in kleinen Schritten, motivierte uns und so konnte schließlich jeder nach seinen Fähigkeiten die Übung erfolgreich lernen. Diese harmonische Atmosphäre von Geben und Nehmen beflügelte uns bis zum Ende des Seminars und so wollen wir wieder fleißig üben und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Meister Li Xiaoqiu im nächsten Jahr.

       Seminar des Turngau Mitteltaunus im Hessischen Turnverband

       Am Samstag, den 18. Oktober 2014, in der Silberachhalle in Wehen

       Referentin: Heidegard Bayer-Brechtken

       Teilnehmer: Franz Maschek, Sabine Gubo

Prävention und Pflege mit der Dorn-Methode

Die Dorn-Methode ist „Selbst-Massage in aktiver Bewegung“!

Sie ist eine sanfte Methode, um Fehlstellungen von Gelenken oder blockierten Wirbeln zu korrigieren. Sie bietet sich für alle Altersstufen als präventive Möglichkeit an, um Probleme mit Rücken und Gelenken zu vermeiden, um sich selbst zu helfen. Die Übungen kombinieren Bewegung (oder pendelnde Bewegungen) und Massage. Fast alle Übungen können als Selbsthilfe angewendet werden.

Falsche Belastungen und Fehlhaltungen verursachen Verspannungen und Dysbalancen der Muskulatur. Diese lassen sich mit den sanften und einfach auszuführenden Dorn-Übungen lösen.

Die Dorn-Übungen:

Als erster und wichtigster Ansatz gilt es, wenn nötig, die Beinlänge auszugleichen, da sonst die ganze Wirbelsäule, und damit auch der restliche Körper, durch einen Schiefstand des Beckens in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch entsprechende Dorn-Übungen können die ganze Wirbelsäule und das Kreuzbein von Verspannungen befreit und in die richtige Stellung gebracht werden. Es gibt für fast alle Gelenke entsprechende Dorn-Übungen. Diese sollten in den ganz normalen Tageablauf eingebaut werden.

Der Lehrgang war sehr effektiv, da wir als kleine Gruppe (16 Teilnehmer) zu zweit alles unter der Anleitung der sehr kompetenten und versierten Referentin sofort praktisch ausführen und anwenden konnten. In der lockeren Atmosphäre und dem munteren Austausch und gegenseitigem Unterstützen ergaben sich so manche Aha-Erlebnisse, und Staunen über diese einfachen Übungen und ihre sofort sichtbaren und spürbaren Ergebnisse.

So manche Übung gilt es nun auch in unser Tai Chi-Training mit einfließen zu lassen, um unsere Körperwahrnehmung weiter zu verfeinern. Zudem bekommen wir ein Hilfsmittel an die Hand, um wahrgenommene Dysbalancen/Verspannungen mit Hilfe von Dorn-Übungen zu beheben, oder präventiv zu üben.

Der Tai Chi Verein Taunusstein war am 19. Oktober 2014 bei der Veranstaltung "Aktionstag Bürgerschaftliches Engageement" der Stadt Taunusstein wieder vertreten. Im Hahner Bürgerhaus "Taunus" präsentierten auf Einladung der Stadt 25 Vereine und Organisationen ihr ehrenamtliches Engagement und warben um neue Mitstreiter. Eingerahmt wurde die Veranstaltungen durch Fachvorträge, Bürgermeister Sandro Zehner und der hessische Innenminister Peter Beuth eröffneten den Aktionstag und informierten sich bei den Vereinen und ihren Vertretern.

Die Planung hatte es gewollt, dass der Infostand des Tai Chi Vereins neben dem Stand des Sportkreises Rheingau-Taunus platziert war. Was der Vorsitzende des Sportkreises, Manfred Schmidt (Foto), und der Vorsitzende des Turngaus Untertaunus, Horst Byron, zum Anlass nahmen, sich über die Angebote des Vereins näher zu informieren. Zum großen Bedauern von Schmidt finden die Anfängerkurse in Tai Chi freitags statt, einem Tag, an dem der Sportkreisvorsitzende schon andere fixe Termine hat. Ansonsten wäre er gerne einmal gekommen, um Erfahrungen im Tai Chi zu sammeln. "Man wird im Alter ja langsam steif", so seine Begründung gegenüber der Vorsitzenden Sabine Gubo. Sie wurde am Stand von ihrer Stellvertreterin Gerda De Mucci und Vorstandsmitglied Marianne Lothholz unterstützt, nicht zu vergessen Karin Freund und Franz Maschek.

Auch Mitglieder des Tai Chi Vereins Taunusstein nahmen an Seminar der International Wang Academy (IWA) mit Meister Wang Zhi Xiang in Folgaria in Norditalien teil. Sabine Gubo, Gerda DeMucci und Ulrich Hückel gehörten vom 26. bis 31. August 2014 zu einem großen Kreis von Teilnehmern aus unterschiedlichen Ländern.

Am ersten Tag standen Übungen zur Lockerung und Schwerkraft auf dem Programm. Speziell ging es darum, wie dabei die Wirbelsäule und die Füße eingesetzt werden. Es folgten Klopfübungen für die Gesundheit und den Fluss der Energie.
Am Nachmittag erläuterte Meister Wang die fünf Dinge, die für die Gesundheit unbedingt erforderlich sind: richtig atmen, richtig schlafen, richtig essen, Verdauung, Stuhlgang, richtig fühlen.
Anschließend wurde tui shou geübt. Für Meister Wang ist tui shou vor allem eine Übung der Harmonie, sowohl der Bewegungen der einzelnen Personen als auch ihrer gemeinsamen Bewegung.  
Am zweiten Tag begann man mit Vorübungen zur Lockerung. Es folgte das drehende Abklopfen, ebenfalls mit neuen Informationen angereichert. Danach Qi Gong, Basisübungen wie den Rücken strecken, Langes Leben, ban lan shui. Meister Wang erläuterte, welche Stellungen dabei warum wichtig sind. Viel Zeit verwendete er auf das Thema Punkt-Linie-Fläche-Volumen. Sehr wichtig waren die Übung zhang zhuang, „Stehen wie ein Baum“. Hier kommt es nicht darauf an, möglichst lange mit immer mehr schmerzenden Gliedern zu stehen, sondern mit der Vorstellungskraft Linien zum baihui und zur Erde aufzubauen, und in den Gelenken, z.B. Armbeuge, Bälle zu spüren. Auf die Form angewendet, bewegt man nicht mehr die Gelenke, sondern macht den jeweiligen Ball größer oder kleiner.
Zum Abschluss zeigte Wang den 1. Teil der 1. Form, der Basisform. Zum Vergleich dann den jeweils ersten Teil der zweiten, der kampfbetonten Form, der natürlichen Form mit weitgreifenden Bewegungen,  des in Shanghai weit verbreiteten Wu-Stils  und des kleinen Wu-Stils mit noch kleineren Bewegungen und noch mehr Qualität.
Abends hielt Meister Wang einen Vortrag über Einsteins Formel e=mc2 im Taiji. e sei die Energie, m die Qualität und c das Licht, unser Geist.
Daniela Jurisic sprach über das Thema „Integrierte Medizin - in der Übersetzung verlorengegangen“, wie medizinische Erkenntnisse anderer Kulturen übersetzt, geprüft und in der Behandlung Kranker genutzt werden können.  
Am dritten Tag erläuterte Wang die 8 Kräfte: bong, lü, ji, an, cai, lie, zhou, kao (die ersten 8 der 20 Worte des Taiji), anschließend wurde wieder tui shou geübt.
Am vierten Tag begann der Unterricht im Freien mit Lockerungsübungen, dann ging es mit der Form weiter. Die wichtigsten Figuren des erstens Teils sind das Kniestreifen und ban lan shui (Zirkelschritt). Für den zweiten Teil sind die Kicks wesentlich, für den dritten die Diagonalen. Vor der Pause wurde noch im Stehen meditiert. Die Meditation dient zum Kennenlernen des Körpers und verbessert das Körpergefühl.
Bei der Übung des dritten Teils wurden die wesentlichen Figuren erläutert und paarweise geübt. Besonderen Anklang fand die Doppelhand-Partnerübung, bei der man abwechselnd mit der linken oder rechten Hand schlägt und abwehrt. Wenn man es kann, ist es sehr harmonisch.
Nachmittags dann die Prüfungen. Die Prüflinge mussten eine oder zwei der Grundlagenübungen ausführen, eine, manchmal auch zwei Positionen der Form einnehmen, ein Stück der Form (aus 1., 2., 3. Teil) vorführen, dann mit Meister Wang tui shou machen und zum Schluss zwei Angriffe von Meister Wang mit einer vorgegebenen Anwendung abwehren. Diese Prüfungen zeigten, worauf Meister Wang Wert legt: nicht so sehr auf die präzise Ausführung, sondern auf eine flüssige und harmonische Darstellung. Weiter verdeutlichte die Prüfung, dass die Form für Wang als nur ein von vier Prüfungsthemen nicht die überragende Wichtigkeit hat, die wir ihr bisher beimessen.
Am fünften Tag ging es um Feinheiten wie die Stellung der Füße zueinander, Konzentration auf Yongquan (Niere 1), Ferse nicht belasten, wie und wieweit hebt man die Ferse und welches Gefühl man dabei hat.
Am letzten Tag begann der Unterricht mit dem Thema Selbstmassage und Meridian-Qi Gong. Dann sprach Meister Wang über Prinzipien. Je nach Meister seien es mehr oder weniger. Besser seien wenige Prinzipien, die verinnerlicht und qualitätsvoll ausgeführt werden sollten.


Fazit: Die ersten vier Tage vertieften viel Bekanntes und zeigten Neues auf. Die letzten beiden Tage brachten eine andere Ebene von Qualität. So übte man am ersten Tag Punkt-Linie-Fläche-Volumen, am Tag darauf machte man optisch das Gleiche, jedoch mit den 4 Punkten und dem Fließen der Energie vom Mittelfinger zur Hüfte und zurück. Dadurch kommt eine Überkreuzung zustande, die von außen nicht sichtbar ist. Doch wichtig ist die Anwendung. Tai Chi ist ja nicht nur ein Bewegungsablauf, sondern hat ein Ziel, dies wird Anwendung genannt. Ziele können die Neutralisierung des Gegners oder das Ab- und Umlenken der Kräfte des Partners sein.  Dazu kommt die Bedeutung von tui shou. An fünf Tagen wurde jeweils mindestens eine Stunde tui shou geübt, und schließlich zeigte sich, wie die Grundlagenübungen in jede Bewegung der Form einfließen.

Seit Jahren hatte George Xu  ein China-Camp  angekündigt, nun kam es endlich zustande. Über 110 Taiji-Jünger aus 12 Ländern machten mit, unterrichtet von den sieben besten Lehrern Schanghais. Ich lernte George Xu 1994 kennen, als er zum ersten Mal in unserem Verein unterrichtete. Seither kommt er zweimal jährlich, einmal allein und einmal mit einem weiteren Lehrer, den er uns vorstellt.

Die Eröffnungsveranstaltung im großen Ballsaal unseres Hotels in Shanghai war spektakulär. Aus jedem teilnehmenden Land gab es mindestens eine Darbietung , so dass man sich ein Bild vom Niveau der Teilnehmer machen konnte. Viele chinesiche Meister  führten ihre Kampfkunst vor, nur schade, daß sich mein untrainiertes europäisches Ohr die vielen chinesischen Namen nicht merken konnte. In Erinnerung blieben mir Dr. Wang Zhi Xiang, den ich von seinen Seminaren bei unserem Verein in Taunusstein her kenne, der alte Meister Wei Chen Yuan, dem man bei der Vorführung seine 83 Jahre nicht anmerkte, obwohl er von seinem Schüler Chan Zhuen Yuan hereingeführt wurde,  und  Qian Zhao Hong, auch ‚Kettensäge’ genannt, der eine Waffenform mit einer Art Dreschflegel zeigte, sowie ein alter Meister aus Peking mit Bagua.

Die Bezeichnung China-Camp erweckt vielleicht irrige Vorstellungen von einem Zeltlager, wir waren jedoch sowohl in Schanghai als auch in Souzhou in guten Hotels untergebracht. Nur die Kaffee-Trinker hatten ihre Schwierigkeiten, sie fanden den Kaffee sehr gewöhnungsbedürftig. In Souzhou begann das eigentliche Seminar. Das Programm war hart:

    07-88 Frühsport mit Meister Wu Maogai, der sich bemühte, uns Tong Bai beizubringen
    08-09 Frühstück
    09-12 Unterricht
    12-13 Mittagesse
    13-15 Mittagsruhe (von den meisten zur Stadterkundung und Einkaufen genutzt
    15-18 Unterricht
    18-19 Abendessen
    19-21 Vortrag eines Meisters
    21-...  freie Verfügung

 

Am ersten Tag stellten die Lehrer den Gruppen ihr jeweiliges Programm vor:

     Qian Zhao Hong – Xing Yi der 10 Tiere

     Wei Chen Yuan und sein Schüler Chan Zhuen Yuan (63 Jahre) - Xing Yi der 12 Tiere

     Dr. Wang Zhi Xiang mit seinem Übersetzer Paul – Yang Stil Taiji

      Xu Guo Chuang – Wu Stil Taiji

      Jiang Zhong Bao – Chen Stil Taiji

      Wu Ji – Lan Shou

An den folgenden Tagen konnte jeder Teilnehmer zu dem Meister gehen, der ihn am meisten zusagte. Jeden halben Tag durfte man wechseln, so daß man alle Lehrer gut kennenlernen konnte. Bald bildeten sich jedoch ziemlich stabile Gruppen heraus, nur wenige wechselten des öfteren den Lehrer. George schaute übrigens jeden Morgen und jeden Nachmittag vorbei. Qian Zhao Hong (Kettensäge) und Dr. Wang Zhi Xiang hatten immer die größte Gefolgschaft.  

Ob große oder kleine Gruppe, alle waren des Lobes voll von ihrem Meister. Diese zeigten sich offen und mitteilsam, ließen sich anfassen und brachten ihren Schülern etwas bei, was einige bei der Schlußfeier mit ihrer Gruppe demonstrierten.

Ich trainierte die ganze Zeit bei Dr. Wang. Zum einen, weil er im September 2005 wieder nach Taunusstein kommt und ich dann übersetzen werde, zum anderen wegen seiner Form, an der ich noch viel zu lernen habe. Außerdem hatte er in Paul einen Übersetzer, der mit der Materie völlig vertraut war und problemlos zwischen chinesisch, englisch, französisch und deutsch wechselte. So war ein entspanntes Lernen gewährleistet, ohne den Stress von Organisation und Übersetzung.

Dr. Wang nutzte die Gelegenheit, uns die wesentlichen Prinzipien des Taiji in Theorie und Praxis zusammenhängend zu vermitteln. In Seminaren kann dies an einem Wochenende sonst nur in Bruchstücken behandelt werden. Insbesondere lehrte er das Prinzip des ba men– der 8 Tore (der 8 Trigramme) und wu bu , der 5 Elemente. Die 8 Tore kann man sich als alle denkbaren Richtungen vorstellen: oben und unten, vorne und hinten, rechts und links sowie innen und außen. Diese 8 Richtungen müssen in jeder Bewegung vorhanden sein, Bewegungen in nur eine Richtung sind falsch, denn eine Richtung geht in den 8 verloren. Am schwierigsten dabei sind Bewegungen nach innen und außen.

Die Energie muss sich nach allen 8 Richtungen ausbreiten. Nur wer frei von Spannungen ist, kann darin Erfolg haben.    

Das vollständige Training des Taiji besteht aus 5 Teilen:

  1. Grundlagenübungen, welche die notwendige Koordination,   Kraft und Beweglichkeit entwickeln, um mit dem Körper zu arbeiten
  2. Die Form, das heißt die Abfolge von langsamen Bewegungen, welche zum einen den Körper von Spannungen befreit indem sie seine Gewohnheiten durch andere, neutralere ersetzt, zum anderen das Gefühl für Energien entwickelt und schließlich ganz allmählich einen in Bezug auf Energie integrierten Körper schafft, wenn man mit ihm unter zunehmender Beteiligung des yi (des Bewusstseins) arbeitet.
  3. Tuishou (push hands), die Partnerübung, die es möglich macht, zunächst die innere Kraft (nei jing) anstelle der Muskelkraft einzusetzen, und später das Nei jing durch das yi qi zu ersetzen. Auf der Ebene des nei jing benutzt man noch die verschiedenen Kampftechniken, auf der Ebene des yi kommen Techniken nicht mehr in Frage.
  4. Sanshou: freie Partnerübung, die den Kampf simuliert und der die Anwendung dessen beinhaltet, was im tuishou gelernt wurde.   Dazu kann man noch das da lü zählen, eine Partnerübung mit mehr Regeln, bei welcher der Körperstandpunkt verändert wird.
  5. Und schließlich das intellektuelle und geistige Verständnis der Prinzipien des ba men wu bu (welche tatsächlich ein Grundlegendes Prinzip des Lebens und des Universums darstellen). Nur dieses Verständnis erlaubt es, ein höheres Niveau des taiji chuan zu erreichen und seine praktische Anwendung auf andere Lebensbereiche auszudehnen.

 In der Praxis wurden die Punkte 1 – 4 behandelt, Punkt 5 spielte immer eine Rolle. So wurde uns die Bedeutung des ba men wu bu klar, das richtige Verständnis davon erfordert lebenslange Arbeit. Großen Wert legte Dr. Wang auf die Grundlagen, die jeden Morgen und jeden Nachmittag geübt wurden, bevor er mit seinem Stoff fortfuhr.   Die lange Form des Yang-Stils wurde vollständig behandelt, tuishu und sanshou kamen auch nicht zu kurz.

Dr. Wang gab uns sehr viele praktische Hinweise, die ich hier unmöglich alle aufführen kann. Der Wichtigste ist vielleicht die Reihenfolge der Bewegung: erst yi, dann Energie, dann Körper. Im Körper gilt die Reihenfolge Hüfte, Schulter, Hand. Ein Ungeübter dagegen agiert direkt mit der Hand.

Die abendlichen Vorträge der Meister waren durchweg sehr interessant, sie alle hier zu referieren würde zu weit führen. Ich fand es bemerkenswert, dass alle neben den Besonderheiten ihrer Stilrichtung vor allem die Wichtigkeit der Grundlagen betonten. Darin waren sie sich alle einig.

Ein Höhepunkt des China-Camps war die Gründung der Worldwide Association of Chinese Internal Martial Arts – WACIMA. WACIMA hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein besseres allgemeines Verständnis der internen Kampfkünste bei ihren Anwendern und allen Menschen zu fördern, so daß diese Künste erhalten und auf dem ganzen Globus praktiziert werden.

Nicht nur das Niveau der Lehrer, auch das der Teilnehmer war sehr hoch. Nachdem die lokale Presse über das Seminar bereichtet hatte, forderten die Spitzen der Kung Fu-Vereinigung von Souzhou unsere Lehrer zu push hands heraus. Doch George erlaubte dies nur uns Schülern. Daraufhin kämpfte der Schüler des besten Kung Fu-Meisters mit einem von uns, er konnte den Kampf jedoch nicht gewinnen. Daraufhin versuchte es der Meister, doch auch er schaffte es nicht. Zugegebenermaßen hätte das nicht jeder von uns gekonnt, ich auch nicht.

Fazit: Das China-Camp mit George Xu war äußerst interessant und lehrreich. Es war sogar einzigartig, denn dass sieben Meister gemeinsam ein Seminar bestreiten ist wohl noch nie da gewesen. Normalerweise ist es üblich, dass Schüler gewöhnlich nur bei ihrem Meister lernen dürfen. Sieben große Meister in einem Taiji-Camp, dies ist bisher nur George Xu gelungen.