1923 kam Wang Hao-Da in der chinesischen Provinz Jiang Shu zur Welt. Er war noch keine zehn Jahre alt, da musste er bereits hart arbeiten. Als die Japaner die Shanghai besetzten, war er es gewohnt, 20-stündige Arbeitstage mit zwei Schalen Reis zu überleben.Im Alter von weniger als 40 Jahren war sein Körper ruiniert und seineGesundheit am Zusammenbrechen.

1962 erlernte er den Yang-Stil bevor er den berühmten taoistischen Priester Ma Yueh Liang traf und dessen Schüler wurde. 1966, während der chinesischen Kulturrevolution  war der Tai Chi Unterricht verboten, da das Regime gerade taoistischen Priestern nicht traute. Wang wurde trotzdem von Ma Yüeh Liang unterrichtet, und als einer von drei Schülern in die besonderen Geheimnisse des Meisters eingeweiht. Dies geschah auch aus Angst, Ma könne dieKulturrevolution nicht überleben.

Tag für Tag ging er in den nächsten Park und übte Push Hands mit Allen, die dazu bereit waren. Jahrzehntelang bemühte er sich, Grundsätze zu verstehen, die er gelernt hatte, indem er die Körper und Zentren von Anderen fühlte. Seine Anstrengungen schienen vergebens, da seine sanfte Berührung wieder und wieder von kräftigen und harten Gegnern überwältigt wurde, die sich auf ihre Stärke und Kraft verließen. Seinem Charakter machte das nichts aus, denn seine Gesundheit besserte sich täglich. Er war ja kein großer Mann, deswegen hatte er nie erwartet, Gegner zu überwinden, die oft doppelt so groß wie er selbst waren. Er suchte nach der wahren inneren Kraft, die Ihm sein Lehrer gezeigt und von der er gesagt hatte, sie würde jeden überwinden und seine so dringende Genesung herbeiführen. Nach 33 Jahren täglicher Übung und noch zu Lebzeiten seines Lehrers, begriff er diese Kraft und konnte sie anwenden.

Meister Wang Hao-Da ist in Shanghai besonders wegen seiner "Push - Hands" bekannt. Er unterrichtete bis zuletzt seine "Push - Hands" jeden Tag in einem Park in Shanghai.

Im September 2000 war er zum zweiten Mal in Europa, um die lebens- und kraftspendenden Kunst zu unterrichten, die er sich mit so viel Mühe angeeignet hat.

Den Teilnehmern der Taunussteiner Workshops stellte er den Wu-Stil vor und demonstrierte seine überragenden Fähigkeiten bei den Push-Hands. Dies mit ihm zu üben war der Abschluss jeder Trainingseinheit. Ein Glück nur, dass Grossmeister Wang ein solch lustiger und aufgeschlossener Mensch ist, dem es trotz der Sprachbarrieren immer wieder gelang, sich verständlich zu machen. Besonders deutlich wurde dies auch in den Augenblicken, in denen er mit uns ganz besonders unzufrieden war. Aber er war auch sehr schnell wieder sehr nett zu allen.

Anders als so viele, die allen Reichtum und Macht besitzen und doch immer mehr wollen und niemals mit ihrem Schicksal zufrieden sind, ist Wang Hao-Da ein glücklicher Mann, ohne jeden Hochmut und mit dem echten Wunsch, seine wertvollen Geheimnisse  weiterzugeben. Erst jetzt wird er im Westen bekannt, dabei ist er von seinen Zeitgenossen in Schanghai schon lange geachtet und hat die höchsten Ehren der Kampfkunstgemeinde seiner Stadt erhalten. Letztes Jahr hatten wir bereits das Glück, seine Botschaft zu hören, zu fühlen, wie sein Körper das unvorstellbare vollbringt und unter seiner Leitung zu üben.